Die Haltung des Bundesjustizministeriums zu den Nürnberger Prozessen und zum Alliierten Kontrollrat

Die Übernahme der Obersten Regierungsgewalt durch die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges am 5. Juni 1945 sowie die Errichtung des Alliierten Kontrollrats am 30. August 1945 schufen Rechtsverhältnisse, mit denen sich nach Gründung der Bundesrepublik auch das BMJ auseinanderzusetzen hatte. Dies galt beispielsweise für die Haltung des BMJ zum Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945, mit dem NS-Recht aufgehoben wurde. Das Teilprojekt untersucht, welche Positionen dazu im BMJ bezogen wurden und wie man dort generell die Tätigkeit des Kontrollrats bewertete. Entsprechendes gilt für die Haltung des Ministeriums zu den Nürnberger Prozessen, deren Urteile weit in die Bundesrepublik hineinwirkten. Von besonderem Interesse ist in diesem Zusammenhang der Juristenprozess, der – mehr noch als der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher − exemplarische Bedeutung für den juristischen Umgang mit der NS-Vergangenheit besitzt. Der Prozess richtete sich vor allem gegen ehemalige Mitarbeiter des Reichsjustizministeriums und verdeutlicht, welchen Anteil Juristen an der Begründung und Aufrechterhaltung des NS-Unrechtsstaates hatten.